Home | Stalking | Recht & Urteile | Kontakte und Anlaufstellen | Buch und Film | Forum | Impressum


80 Tagessätze

Zitat von Fränkische Nachrichten:
Stalking vom Gericht geahndet

27-Jähriger für verbale Belästigung seiner ehemaligen Kollegin zu Geldstrafe verurteilt

Tauberbischofsheim. Einen Partner nach einer wie auch immer gearteten Beziehung ohne Groll loslassen zu können, ist ein Verhalten, das nicht jedem gelingt. Nicht klar gekommen mit einer solchen Trennung war offenbar auch ein 27-jähriger Hilfskoch aus dem mittleren Main-Tauber-Kreis. Dieser sollte nämlich, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft in einem Strafbefehl, seine ehemalige Arbeitskollegin (und möglicherweise zugleich Geliebte, was sie aber bestritt) immer wieder mit herabwürdigenden Ausdrücken gekränkt und selbst deren Umfeld in seine verbalen Attacken mit einbezog haben.

Da sich der Mann aber zu Unrecht von der Justiz verfolgt fühlte, hatte er sich gegen diesen Strafbefehl mit Einspruch gewehrt und versuchte nun, den Strafrichter am Amtsgericht Tauberbischofsheim von Angesicht zu Angesicht von seiner völligen Unschuld zu überzeugen. Es waren zwei konkrete Vorfälle, die von der Staatsanwältin in der mündlichen Verhandlung vorgebracht wurden: Zum einen sollte der Angeklagte, der von 1997 bis 2002 zusammen mit der Geschädigten eine Gaststätte in Distelhausen betrieben hatte, am 1. April letzten Jahres um die Mittagszeit die Rotlichtphase einer Ampel in der Kreisstadt dazu genutzt haben, um unaufgefordert in das vor der Ampel wartende Fahrzeug seines Opfers zu steigen und die Frau wieder einmal mit Kraftausdrücken zu demütigen, bis er sich schließlich bei Grün wieder trollte. Bei einem weiteren Vorfall zwei Tage später habe er seinen verbalen Schmutz zwar nicht über die Geschädigte persönlich ausgeschüttet, aber einen ihrer Bekannten mit der Weiterleitung seiner Schmähungen beauftragt und diesem zudem angedroht, ihn einmal abends abzufangen und "einen Kopf kürzer" zu machen. Außerdem, so die Geschädigte bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht, habe ihr Widersacher sie am Vortag schon wieder verfolgt und ihr dringend geraten, nicht vor Gericht zu erscheinen.

Der Angeklagte, der sämtliche gegen ihn erhobene Vorwürfe wortreich bestritt, versuchte, die angebliche Aufrichtigkeit seiner Beteuerungen damit zu untermauern, dass er immer wieder Gott als Zeugen beschwor. Doch auch das penetrante Erflehen des himmlischen Beistands vermochte nicht zu verhindern, dass ihm weder Staatsanwältin noch Richter glaubten, sondern sich beide fest davon überzeugt zeigten, dass sich die Vorfälle so ereignet hatten, wie sie von den beiden Zeugen bei Polizei und vor Gericht geschildert worden waren. Zumal sich weder die Geschädigte durch besondere Belastungstendenzen in ihrer Aussage unglaubwürdig gemacht habe (so der Richter), noch irgendein Grund ersichtlich sei, warum die beiden Zeugen lügen sollten. Außerdem sei als weiteres Indiz da noch eine aus dem Bundeszentralregister ersichtliche einschlägige Vorstrafe des Angeklagten.

Im Ergebnis wurde der Mann deshalb aber nicht nur entsprechend dem Strafbefehl verurteilt. Sein Mangel an Einsicht und der Umstand, dass er in Erwartung des mündlichen Termins zudem auch noch Druck auf sein Opfer ausgeübt hatte, führte darüber hinaus dazu, dass die Anzahl der gegen ihn verhängten Tagessätze von ursprünglich 70 auf 80 erhöht wurde (nach Auffassung der Staatsanwältin wären sogar 90 Tagessätze angemessen gewesen).

Zum Schluss warnte der Richter den Angeklagten unter Hinweis auf den neu im Strafgesetzbuch verankerten Straftatbestand des "Stalking" noch einmal ausdrücklich davor, mit seinen Belästigungen fortzufahren, da er ansonsten über kurz oder lang hinter Gittern landen werde. iha
www.fnweb.de

Seitenanfang zurck Druckansicht Suche Sitemap Forum