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Verfolger landet zwei Jahre im Knast

Zitat von SZOn:
SIGMARINGEN/PFULLENDORF - In einem fast neunstündigen Prozess ist am Mittwoch ein 43-jähriger Mann vom Amtsgericht Sigmaringen zu insgesamt zwei Jahren Haft verurteilt worden. Er war des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz, der Beleidigung und Bedrohung, der Körperverletzung und der Nötigung einer Frau aus Pfullendorf angeklagt.

Nur die Tatsache, dass das entsprechende Gesetz noch nicht in Kraft getreten ist, konnte verhindern, dass die Anklage gegen den 43-Jährigen aus dem Raum Stuttgart auf "Stalking" lautete. Denn willentliches und wiederholtes Verfolgen und Belästigen einer Person wird als "Stalking" bezeichnet und genau das hatte der Angeklagte die letzten zwei Jahre mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin gemacht. Noch dazu mit einer Frequenz, die Staatsanwalt und Richter in Erstaunen versetzten.

Laut Anklageschrift hatte der Angeklagte der Frau, die auch als Nebenklägerin auftrat, in mehr als 100 Fällen nachgestellt - und diese Anklagepunkte waren nur ein Bruchteil dessen, was die Geschädigte teilweise tagtäglich zur Anzeige gebracht hatte. Nach der Trennung hatten die beiden Parteien noch die Beilegung des Konfliktes mit Hilfe einer Mediatorin angestrebt. Deren Rolle, die offensichtlich weniger verbindend als vielmehr entzweiend war, konnte während der Verhandlung nicht endgültig geklärt werden. Jedenfalls war das Ziel, einen normalen Umgang der Betroffenen untereinander herzustellen, misslungen: Anfangs legte der Angeklagte seiner Exfreundin immer wieder Visitenkarten in den Briefkasten, um ihr zu signalisieren: "Ich war da".

Nach einiger Zeit wurden daraus Streichhölzer - weil man davon keine Fingerabdrücke nehmen könne, hatte er der Klägerin gesagt. Beinahe täglich erhielt sie Telefonanrufe, in denen er entweder noch einmal über die Trennung reden wollte oder sie aufs Übelste beschimpfte und ihr drohte.

Es geht bis zur Morddrohung

Selbst an ihrem Arbeitsplatz war sie nicht mehr sicher vor seinen Attacken. Auch Emails und SMS verschickte er immer wieder. Außerdem lauerte er seiner ehemaligen Freundin auf dem Weg zur Arbeit und auch vor ihrem Haus auf. Als sie sich schließlich mit einem Tränengasspray bewaffnete und auch nicht zögerte, es einzusetzen, trat und schlug er sie sogar - gemäß seiner Aussage, weil er durch das Gas blind gewesen sei. Doch das hatte ihm die Staatsanwaltschaft nicht geglaubt und ihn deshalb wegen Körperverletzung angeklagt.

Da unter den telefonischen Anrufen auch Morddrohungen waren, hatte die Klägerin schon mehrere einstweilige Anordnungen erwirkt, die es dem Angeklagten untersagten, sie zu kontaktieren oder sich ihr zu nähern. Selbige Anordnungen interessierten ihn allerdings herzlich wenig, die Geschädigte sagte sogar aus, dass es nach jedem neuen Beschluss noch schlimmer geworden sei.

Nachdem er sogar zu drei Monaten Haft verurteilt worden war, rief er am selben Abend dreimal bei der Beschädigten an. Dieses rechtsmissachtende Verhalten war sicherlich einer der Gründe, die den Staatsanwalt dazu bewogen, in seinem Plädoyer keine Bewährung mehr zu fordern. Und diese Auffassung teilte der Richter. Der Verweis des Verteidigers auf psychiatrische Gutachten und teilweise Schuldeingeständnisse halfen nichts mehr. Weil hier über gleich vier Anklageschriften geurteilt wurde, erhielt der Angeklagte zwei voneinander unabhängige Strafen: ein Jahr und vier Monate, sowie eine achtmonatige Haftstrafe. Zumindest für die nächsten zwei Jahre wird die Geschädigte also mit Sicherheit ihre Ruhe haben.
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